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 Walter Herzog – Grafik und Zeichnungen Bad Frankenhausen - Walter Herzog – ein feinfühliger, sensibler und minuziöser Beobachter, der in unspektakulären, leisen und romantisch anmutenden Grafiken, erinnernd an Caspar David Friedrich, ein scheinbares Abbild gesehener Realität schafft, denen jedoch ein tiefgründiges Sinnbild innewohnt. Die Landschaftsradierungen von Walter Herzog bieten keinen Ausblick, keine Weite oder Überschau. Vielmehr sind es Einblicke, Nahaufnahmen und Details, die er präzise und feinsinnig auf die Kupferplatte bannt. Häufig sind es einzelne Bäume und Baumgruppen, enge Waldwege oder kurze Pfade, an deren Ende manchmal ein geöffnetes Tor zum Weitergehen einlädt, emporsteigende Treppen, die scheinbar ins Nirgendwo führen, einsame Küstenstrände, an denen von der Brandung rund geschliffene Steine, dem immer wiederkehrenden Wasser trotzen.
Motive, die fokussiert sind auf Ausschnitte und Einzelheiten und die Idylle und Romantik implizieren. Vielleicht verströmen die Blätter auch deshalb etwas Intimes und sehr Persönliches, weil die Nähe des Gesehenen, Gefühlten und Dargestellten, die Unmittelbarkeit des Künstlers spüren lässt. Doch die Natur vergeht, das Leben versiegt und die Idylle und Romantik verblassen. Dazu bedarf es bei Walter Herzog auch nicht der großen Gesten oder der Einwirkung durch den Menschen, die – abgesehen von einigen Porträts – weniger in seinem Œuvre zu finden sind, sondern nur der empfindsamen Beobachtung. Denn auch in der Schönheit, die jedem einzelnen Blatt immanent ist, widerspiegelt sich Vergänglichkeit. Verrottende Boote am Ufer, abgestorbene Äste und entwurzelte Bäume, verlassene Gehöfte und verfallene Ruinen. Der einst gegangene Weg, die kurz zuvor erklommene Treppe, die früher überquerte Brücke, der zurückgelassene Strand, das bestiegene Gebirge – Endlichkeit.
Walter Herzog, 1936 in Dresden geboren, zählt zu den renommiertesten Grafikern Deutschlands. Der promovierte Architekt, der erst mit 35 Jahren die Technik der Radierung erlernte, ist seit 1980 freischaffender Grafiker. Seine Arbeit charakterisierte er 1998 wie folgt: „ Mir fällt nichts ein, mir fällt etwas auf. Ich radiere, was ich sehe oder vielmehr was ich denke, was ich sehen sollte. Durch Geist, Auge und Hand gefiltert, gespiegelt und geformt, in niemandes Auftrag als dem Innewohnenden. Staunen und Sehnsucht muss immer im Spiel sein. Im Winter radiere ich den Sommer, im Gebirge das Meer. Den Meistern nacheifernd, Vergängliches festhaltend, Schönes bewahren und erzeugen. Die Bemühung gilt immer dem Inbild statt dem Abbild.“ Walter Herzog, wohnhaft in Berlin, feiert in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag. Er schuf bisher über 1500 faszinierende Grafiken und Zeichnungen, von denen viele im Besitz bedeutender Museen und Sammlungen sind.
Die Ausstellung im Panorama Museum präsentiert etwa 150 Arbeiten von 1972 bis heute. (12. November 2011 bis 12. Februar 2012) Silke Krage
Abbildungen: von oben nach unten: rechts: Boot am Strand, 1983, Radierung, 27,8 x 28,5 cm; links: Gr. Eiche, 2003, Feder, laviert, auf Bütten, 56,5 x 58,5 cm; rechts: Stolpersteig, 1997, Feder, laviert, auf Bütten, 57,0 x 55,0 cm; links: Winterweg, 2005, Radierung, 26,4 x 37,1 cm Abbildung Anzeige oben: Walter Herzog, Belvedere, 2000, Radierung
VIENNA ART WEEK 2011: Reflecting Reality Wien - Unter dem Themenkomplex Reflecting Reality erweitert die VIENNA ART WEEK 2011 – vom DOROTHEUM initiiert und vom Art Cluster Vienna konzipiert – ihr Format durch interdisziplinäre Kommunikations-Strategien, die sich mit dem Austausch von Kunst und Wissenschaft befassen und lenkt den Fokus auf Wiens Weltruf als Stadt der Psychoanalyse. Vom 14. bis zum 20. November 2011 treffen zum siebten Mal internationale Museumsdirektoren, Kuratoren, Sammler, Kritiker und Künstler mit Persönlichkeiten aus der Wiener Kunstszene zusammen, um sich über aktuelle Tendenzen in der Kunst und im Kunstdiskurs auszutauschen.
„Der VIENNA ART WEEK ist es gelungen, durch ihre intensive Konzentration auf der Programmebene und dank des enormen Engagements aller Beteiligten, nachhaltige Impulse und Standards für Wien als internationale Kunstmetropole zu setzen. Diese positive Zwischendiagnose ziehen wir anlässlich unserer bereits siebten Ausgabe aus dem begeisterten Feedback internationaler Sammler, Kuratoren, Kunstkritiker, Künstler und dem avancierten Zustrom Kunstinteressierter“, freuen sich Robert Punkenhofer, Künstlerischer Leiter, VIENNA ART WEEK und Martin Böhm, Präsident, Art Cluster Vienna.
Auch 2011 überraschen Wiener Kunstinstitutionen, Museen und Galerien sowie zahlreiche Programmpartner des Art Cluster Vienna aus der Off-Space Szene mit einem spannenden Programm. Das Spektrum reicht von Spezialführungen durch Sonderausstellungen über das Gallery Weekend, Podiumsdiskussionen, Vorträge, ausgedehnte Künstlergespräche, Ausstellungseröffnungen, Installationen, Interventionen und Performances bis hin zu ausgewählten Veranstaltungen in Privatunternehmen, die zeitgenössische Kunst fördern. In diesem Jahr öffnen zum ersten Mal auch vier Wiener Designbüros ihre Pforten für die VIENNA ART WEEK 2011. Bereits zum zweiten Mal sind die Bundesstudios des BMUKK mit dabei und die mittlerweile legendären Studio Visits und viele andere Highlights laden eine Woche lang in einem inspirierten und kreativen Ambiente zur Vernetzung und zum Austausch ein.
In den Beiträgen zu Reflecting Reality wendet sich der Blick hinter die Kulissen der psychologischen Dynamik von Kunstproduktion und Sammlerleidenschaft. Der Begriff der Psychoanalyse hat im Kunstbereich in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Konjunktur erfahren. Gegenüber der klassischen Psychoanalyse Sigmund Freuds und dessen Schriften zu Kunst und Kultur haben sich im Spannungsfeld aktueller, individueller, psychischer und gesellschaftlicher Fragestellungen in der Kunst neue ästhetische Praxen herausgebildet.
Eine der faszinierendsten Eigenschaften von Kunst ist die durch sie freigesetzte Psychodynamik: Kunst reflektiert nicht nur Realität, sondern liefert Material, um mit den Erfordernissen des modernen Lebens umzugehen. Individualität und soziale Beziehungen, Privatsphäre und öffentliches Leben, die Flüchtigkeit des Alltags und das Streben nach Stabilität, Nähe und Distanz sowie Leistung und Entspannung bilden Pole des psychischen Geschehens. Der derzeitige Umbruch politischer Systeme, das Entstehen von Parallelwelten, das Anwachsen psychopolitischer Argumentationsräume werden durch Kunst einer Reflexion unterzogen.
Die Mitglieder des Art Cluster Vienna laden zum zweiten Interview-Marathon und zu spannenden Debatten mit Experten aus der internationalen Kunstwelt ein. Ausgangspunkt für den diesjährigen Interviewmarathon zum Thema „Kunst und Psychoanalyse“ ist die These des New Yorker Kunstsoziologen, Kunstkritikers, AIDS-Aktivisten und Vertreters der Queer Theory, Douglas Crimp, dass „Kunst Leben retten kann“. Teilnehmende Kunstinstitutionen / Mitglieder des Art Cluster Vienna: Akademie der bildenden Künste Wien + Albertina + Architekturzentrum Wien + Belvedere + departure – Die Kreativagentur der Stadt Wien + DOROTHEUM + Essl Museum + Generali Foundation Wien + Jüdisches Museum Wien + KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien + KUNSTHALLE wien + KUNST HAUS WIEN + Kunsthistorisches Museum + Künstlerhaus k/haus + Leopold Museum + LIECHTENSTEIN MUSEUM + MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst + mumok Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien + MuseumsQuartier Wien + Österreichisches Filmmuseum + Secession + Sigmund Freud Museum + Thyssen-Bornemisza Art Contemporary + Universität für angewandte Kunst Wien + Verband Österreichischer Galerien Moderner Kunst + WIEN MUSEUM.
SPECIAL PROJECTS VON AGMA Magazin + Art Critics Award + BAWAG Contemporary + BMUKK + COCO + EDTION PHOTO + Kerstin Engholm Galerie + FOTO-RAUM + Galerie Lisi Hämmerle + HilgerBROTKunsthalle + Galerie Grita Insam + k48 – Offensive für zeitgenössische Wahrnehmung + Galerie Krinzinger + Kro Art Contemporary Wien / Krokus Galeria Bratislava + Kunstraum Niederösterreich + Galerie Lang Wien + Galerie Emanuel Layr + Gerald Nestler / Gerald Straub + NEXT DOOR Galerie Michaela Stock + Nitsch Foundation + Parabol Art Magazine + Galerie nächst St. Stephan + SAMMLUNG VERBUND + Sydney Ogidan + das weisse haus. OFF-SPACES BILDETAGE + eSeL.at + Flat 1 + Fluc + Glockengasse No9 + Hinterland + Hobbyraum M_U_S + LOVE_ + Lust Gallery + Neuer Kunstverein Wien + Open Space, Open Systems + Salon für Kunstbuch + Saprophyt + umraum stadtbureau + unORTnung + Ve.sch + Zimmer.Küche.Kabinett.
Abb.: von oben nach unten: re.: Christian Helbock, 2011, © Christian Helbock, 2011; li.: Faxen (Clemens Mairhofer, Lucas Noerer, Sebastian Six), Double Layer, Installation, 6 Vendilatoren, 6 Lautsprecher, © Florian Voggeneder; re.: Shepard Fairey, Portrait of Andre the Giant, 1997, Stenciled Spray-paint on found Metal, Collection of Max Lust, © Nora Friedel; Verena Dengler, Couch, 2005, Siebdruck, 50 x 70 cm, Foto: Patrick Anthofer; re.: Pierre Leguillon, Non-Happening after Ad Reinhardt, 2011, Maison Rouge, Paris, Foto: Marina Faust, Courtesy Motive Gallery, Amsterdam; li.: Werner Reiterer, Ohne Titel, 2011, Verschmutzte Unterhose, Metall, Lampen/rot/weis, 101 x 35,3 x 25 cm, Edition: 10 + 3 A.P., Courtesy Artelier Contemporary, Graz, © VBK, Wien 2011; re.: FewGuys.org, CONSTRUCTIONDECONSTRUCTIONRECONSTRUCTION, © Marco Milan; li.: Anthony Auerbach, From Planetarium, 2005, 10 movie stills, © Anthony Auerbach
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