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Digitales bildnerisches Kunstschaffen London / Bad Schmiedeberg - Als „Digitalkultur – geklickt, gemalt, gemailt“ berichtete DER SPIEGEL aktuell aus der internationalen Kunstszene Londons. Dort sind digitale Kunstwerke von David Hockney seit dem 21. Januar 2012 in der Londoner Royal Academy of Arts zu sehen. Es ist eine Ausstellung zu sehen, mit Super-Großformaten auf mehreren Großbildschirmen gleichzeitig generiert bis hin zu kleinformatigen Bildern auf iPads und in Serie wie gerahmt durch die Tablet-PC gestaltet. Diese Ausstellung adelt anerkennend auch die neue Malform des 21. Jahrhunderts.
Wie soll man sie benennen, als Videokunst oder ist es Fotografie oder eine Spielerei oder was? Die Frage an Hockney (er wird heuer 75 Jahre alt) gestellt, beantwortet er so: “Ich nenne es Malerei, nur male ich eben nicht mit dem Pinsel, sondern mit dem Computer…“ und an anderer Stelle behauptet er unwidersprochen: „van Gogh hätte ein iPad geliebt und Picasso wäre ausgeflippt … alle Kunstwerke wurden vom Künstler selbst gemacht, persönlich.“ Virtuelle Kunst-Werke kann man kognitiv generieren, wenn der Erschaffende als Produzent wissend handelt um die kreativen, ästhetischen, historisch bedingten Ismen, Epochen, die Strömungen der bildenden Künste und weiteren in das neu zu schaffende Werk einzuspielender Fakten, wie emotional stimulierende Farbimpulse ähnlich angewendet einer Farbpalette, u.a.m. Gebraucht werden Hochleistungs-PC’s anstelle einer Staffelei, umfassendes ‚know how’ (wissen wie und warum) um die Computertechnologie und diverse Anwenderprogramme, vernetzt mit Profi-Scanner, Digitalkamera und Großprinter, der Millionen Farbtöne aus acht bis 12 Grundfarben mischen kann. Das sind die heutigen Handwerkzeuge für digital virtuelles Procedere und die gesamte Technik hat den Wert eines Mittelklassewagens. Malerische Resultate kursieren im Internet, jedoch sind nur dauerhaft existente Kunstwerke, signiert als Unikat oder als Multiple, als Serigrafie wünschenswerte Objekte der Sammler und zeitlos auch wertschöpfend.
Unser Wissen des tatsächlichen Kunstschaffens von Anderen aus der Vergangenheit ist gespeichert, archiviert und erlernbar aus Tausenden von Monografien, Künstlerschriften, Journalen, Skizzenbüchern, Sammelwerken, Lexiken in Fachbibliotheken der bildenden Künste und Archiven, im Original ersehbar in Museen, Ausstellungen, Sammlungen, erlernbar und gelehrt an Akademien, Hochschulen und Spezialwissen erfährt der Interessierte in Seminaren bei dozierenden Künstlern. Sucht man nach den Anfängen der Multiplikationskunst, dann findet man von Künstlerhand kreativ gestaltete Drucke in der antiken chinesischen Seidenmalerei für Interieurgestaltung und Gewandstoffe - in Drucktechniken -, die noch heute im Prinzip verwendet werden. In Europa begann mit dem Buchdruck des Mittelalters die bildhafte Verdeutlichung für Texte, die in Druckstöcke eingearbeitet wurden und im Laufe der Industrialisierung setzten sich verschiedene maschinelle und manuelle Druckverfahren des Hoch-, Tief-, Flach- und Siebdruck durch. Einige davon qualifizierten sich zum exklusiven Kunstdruck, Lithografie, Senefeldergrafik, Radierung und Stiche, Holz- und Linolschnitte, weil sie bevorzugt von Künstlerhand während der gesamten Zeit des handwerklichen Prozesses, dem Druck jedes einzelnen Blattes unter der Imprimatur des Künstlers blieben. Nur ein gelungener Druckabschluss wird durch den Künstler mit seiner Signatur als sein Kunstwerk bestätigt und jetzt und zukünftig so dokumentiert.
Künstler früherer Epochen zogen mit Skizzenblock, Staffelei und Farben aus den Ateliers hinaus und suchten ihre Motive in der Realität, die sie entsprechend ihren Eindrücken oder auch den Vorgaben der Auftraggeber folgend modifizierten, ab- und veränderten. Man orientierte sich dabei auch an Bildern der Kollegen, aus früheren Generationen. Doch wer ist wann ein Künstler, die Frage stellt sich und die best fundierte bekannte Antwort ist: nicht die PR-Ansage oder ‚pro domo’ Behauptung Künstler zu sein zählt, sondern wenn andere Kollegen das Kunstschaffen anerkennend bestätigen. Unsere Zeit heute kennt parallel neben der realen die digitale Welt, ein kreativ geschaffenes Bild kann in beides einführen und die bei der Betrachtung entstehenden Illusionen erweitern das bewusste Wissen um gefühlte Emotionen. Der Wert der künstlerischen Arbeit ist nicht im Unikat größer als in jedem einzelnen Blatt einer signierten Serigrafie, wohl aber oft der Preis. Charles Baudelaire hat das bestens formuliert als er meinte:
„Was ist die reine Kunst der modernen Auffassung nach? Die Erschaffung einer suggestiven Magie, die zugleich den Gegenstand und das Subjekt enthält, die Welt außerhalb des Künstlers und den Künstler selber“. Der KHSR - Kunsthof Schloss Reinharz zeigt in der jährlichen Meisterausstellung des Meisterkreises auch digital geschaffene Kunstwerke seiner Mitglieder (8. April bis 13. Mai 2012). Alle Abb.: Axel-Alexander Ziese, Digitalfoto-painting, 70 x 50 cm, Fotokarton, Auflage 99 Ex.
Les Visionnaires - Visionäre Grafikkunst der Gegenwart aus Frankreich Bad Frankenhausen - In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hat sich nach anfänglicher Dominanz der Abstraktion und in Abkehr von jeder einfachen, unreflektierten Realitätssicht in Paris wie vorher schon in Wien oder zeitgleich auch in Prag und anderswo eine im weitesten Sinne figurative Kunstauffassung entwickelt, die von dem Kunstkritiker und Schriftsteller Michel Random (1933 – 2008) als L’Art Visionnaire, als „visionäre Kunst“, bezeichnet worden ist.
Ihre Ursprünge liegen zu einem guten Teil in der Nachkriegsentwicklung des Surrealismus, von dem sie sich jedoch schon im Ansatz in ihrem Anliegen, in Anspruch und Umsetzung unterscheidet. Ihre Kennzeichen sind imaginatives Herangehen, metaphysische Wesensschau, Subjektivität und Innerlichkeit in der Wiedergabe der Erscheinungen und eine komplexe Realitätssymbolik, die die Totalität eines ganzen Welt- und Menschenbildes in poetischen Metaphern von archetypischer Gültigkeit spiegelt. Sie ist voller Geheimnis und magischer Bildkraft, erschöpft sich jedoch nicht in einer bloßen Wiedergabe von Traumgesichten und Exaltationen esoterischer Phantastik, sondern verweist auf grundlegende Seinserfahrungen und die zeitgenössische Wirklichkeit wie deren widerstreitende Möglichkeiten, Krisen und Perspektiven.
Um solches leisten und Visionen von existentieller Dimension formulieren zu können, bedarf es einer vollendeten Beherrschung der künstlerischen Mittel, wobei für die „Französische Schule“ vor allem die Tradition von Callot über Piranesi bis zu Bresdin, Hugo, Meryon, Redon und Moreau vorbildhaft scheinen. Von den Versuchungen des Marktes durch einen eher intimen und vergänglichen Charakter weitgehend bewahrt, hat die visionäre Kunst bevorzugt in der Grafik gültig Ausdruck erlangt. So wurden für diese erste deutsche Museumsschau visionärer Kunst der Gegenwart aus Frankreich ausschließlich Arbeiten auf Papier ausgewählt, selbst wenn viele der vorgestellten Künstler auch als Maler hervorgetreten sind. Die Ausstellung im Panorama Museum Bad Frankenhausen (17. März bis 24. Juni 2012) umfasst insgesamt 150 Werke von 14 ausgesuchten Meistern, deren Schaffen mehr als ein halbes Jahrhundert umspannt. Im Laufe der Jahre haben einige von ihnen eine andere Richtung eingeschlagen, andere hat der Tod allzu früh an einer Fortführung ihres Weges gehindert.
Als eigenständige Strömung ist die visionäre Kunst in Frankreich eine Entwicklung der 60er Jahre, die in den 70er und frühen 80er Jahren zur Blüte gelangte, doch bis heute modifiziert fortwirkt. Erstmals überhaupt wird nun die „Schule visionärer Grafiker von Paris“ als eigenständiger Beitrag Frankreichs zur figurativen Kunst der Gegenwart im deutschsprachigen Raum einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Ausstellende Künstler: Hélène Csech, Dado, Érik Desmazières, Yves Doaré, François Houtin, Jacques Le Maréchal, Étienne Lodého, François Lunven, Alain Margotton, Jean-Michel Mathieux-Marie, Didier Mazuru, Georges Rubel, Gérard Trignac und Jean-Pierre Velly Abb.: oben: Yves Doaré, Lehre vom Zufall, 1973; Mitte: Érik Desmazières, Die Sintflut, 1981; unten: Hélène Csech, Ballade, 1972
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